Ringen — Systematik der 85 Stücke nach Auerswald

Taxonomische Aufschlüsselung der Auerswald-Techniken nach Technikgruppen

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Fabian von Auerswalds Ringer kunst (1539) enthält 85 illustrierte Techniken, die bis heute das umfangreichste systematische Ring-Werk der Deutschen Fechtschule darstellen. Eine taxonomische Analyse dieser 85 Stücke offenbart eine durchdachte didaktische Struktur, die weit über eine blosse Techniksammlung hinausgeht und als Lehrsystem konzipiert ist.

Armhebel (ca. 28 Stücke)

Die Armhebel bilden die grösste Technikgruppe in Auerswalds System. Sie lassen sich weiter unterteilen in Innenhebel (Zudrehen), Aussenhebel (Überziehen) und Schulterhebel, bei denen der Arm des Gegners über die Schulter gehebelt wird. Die Armhebel erscheinen bei Auerswald selten als isolierte Techniken; typischer sind Kombinationen aus Armhebel und Wurf oder Armhebel und Beinstellen. Die didaktische Funktion dieser höchsten Technikdichte ist evident: Die Armhebel sind die primären Kontrollwerkzeuge des Ringens, und Auerswald stellt sicher, dass der Schüler sie in allen Varianten erlernt.

Beinstellen und Fußtechniken (ca. 15 Stücke)

Die Beintechniken umfassen das äussere und innere Beinstellen, den Beinfeger und Techniken, bei denen der Ringer mit seinem Fuß das Knie oder die Hüfte des Gegners attackiert. Auerswald gruppiert die Beintechniken meist als zweite Hälfte von Technikpaaren — als Kontrtechnik auf einen Armhebel oder als Alternative, wenn der erste Angriff nicht durchkommt. Die Beintechniken sind dadurch eng mit den Arm- und Oberkörpertechniken verzahnt.

Würfe und Hüftschwünge (ca. 20 Stücke)

Die Wurftechniken bei Auerswald umfassen Hüftwürfe, Schulterwürfe und Techniken, bei denen der Gegner über das ausgestreckte Bein des Werfers zu Fall gebracht wird. Besonders die Würfe von der Schulter — bei denen der Gegner über die Schulter ausgehoben wird — sind prominent vertreten. Auerswalds Würfe unterscheiden sich von den spektakulären Überkopfwürfen Talhoffers durch ihre kontrollierte Ausführung und die Betonung der technischen Mechanik.

Halstechniken und Kopfgriffe (ca. 10 Stücke)

Kopf- und Halstechniken erscheinen bei Auerswald als Spezialtechniken für das Kampfringen. Sie umfassen Würgegriffe, Genickhebel und Techniken, bei denen der Kopf des Gegners unter der Achsel fixiert wird. Diese Techniken sind im Vergleich zu den Armhebeln und Würfen seltener vertreten, aber in ihrer taktischen Funktion klar definiert.

Bodentechniken (ca. 12 Stücke)

Die Bodentechniken beschreiben, was nach dem Wurf geschieht: Der Werfer folgt dem Gegner auf den Boden und fixiert ihn dort durch Hebel. Auerswalds Bodentechniken sind didaktisch von den Standtechniken abgesetzt und bilden eine eigene Untergruppe, die den Kampfverlauf chronologisch abschliesst.

Die Systematik der 85 Stücke zeigt ein durchdachtes pädagogisches Konzept: Vom einfachen Armhebel über kombinierte Wurftechniken bis zum komplexen Bodenkampf steigert Auerswald die technische Schwierigkeit und taktische Tiefe. Die Paaranordnung — jede Technik wird von ihrer Kontrtechnik gefolgt — ist das zentrale didaktische Prinzip des Werkes und macht es zu einem der fortschrittlichsten Ring-Lehrbücher seiner Zeit.

Quellen

  • Auerswald, Fabian von: Ringer kunst: fünf und achtzig Stücke. Wittenberg 1539.

Sekundärliteratur

  • Welle, Rainer: …und wisse das alle höbischeit kompt von deme ringen. Pfaffenweiler 1993.
  • Wiktenauer — Fabian von Auerswald.
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