Ringen zu Fuß

Das blossfechten-spezifische Ringen und seine Abgrenzung zum Harnischringen

konzeptringenblossfechten

Das Ringen zu Fuß — in den Quellen häufig explizit als solches von anderen Ring-Modalitäten abgegrenzt — bezeichnet das waffenlose Ringen unbewaffneter oder bloss bekleideter Kämpfer ohne Rüstung. Es ist die in den Fechtbüchern am breitesten dargestellte Ringform und zugleich diejenige, die dem modernen Verständnis von Ringen am nächsten kommt. Dennoch ist das historische Ringen zu Fuß keine sportliche Betätigung, sondern eine ernsthafte Kampfmodalität, die ihre eigene technische Logik besitzt und sich vom Harnischringen ebenso unterscheidet wie vom Ringen mit Schwert.

Die Abgrenzung zum Harnischringen ist in den Quellen konsequent durchgeführt. Hans Talhoffer behandelt beide Formen in separaten Tafelfolgen mit unterschiedlichen Illustrationen, unterschiedlicher Technikauswahl und unterschiedlichem taktischen Rahmen. Das Ringen zu Fuß operiert mit beweglichen, ungeschützten Körpern; die Techniken greifen Gelenke an (Armhebel, Fingerhebel), die im Harnisch durch Panzerung geschützt wären. Das Harnischringen dagegen konzentriert sich auf Griffe an Helm, Visier und gepanzerten Gelenkschienen — Techniken, die die Rüstung des Gegners als Hebel nutzen.

Die technische Eigenständigkeit des Ringen zu Fuß zeigt sich in der Mobilität der Techniken. Anders als das schwerfälligere Harnischringen erlaubt die fehlende Rüstung schnelle Positionswechsel, weite Würfe über die Hüfte und komplexe Hebel, die im Harnisch nicht möglich wären. Das Ringen zu Fuß ist dynamischer, fluider und näher an der modernen Vorstellung eines Ringkampfes.

Die Integration mit dem Schwertkampf ist ein weiteres Charakteristikum des Ringen zu Fuß. Die Blossfechten-Ring-Sektionen der Quellen beschreiben den fliessenden Übergang vom Schwertfechten zum Ringen und zurück — ein dynamischer Wechsel der Kampfdistanz, der im Harnisch weniger häufig vorkommt. Das Ringen zu Fuß ist nicht eine Alternative zum Schwert, sondern dessen natürliche Fortsetzung, wenn die Distanz zu kurz für den Schwertgebrauch wird.

**Fabian von Auerswald**s Ringer kunst (1539) ist die umfangreichste systematische Behandlung des Ringen zu Fuß. Obwohl Auerswald keine Rüstungsform spezifiziert, beschreiben seine Techniken durchgehend das ungepanzerte Ringen mit seinen charakteristischen Gelenk-Hebeltechniken und Würfen. Die 85 Stücke sind ausschliesslich auf den blossen Ringkampf ausgelegt und repräsentieren dessen höchste systematische Ausprägung im 16. Jahrhundert.

Das Quellenmaterial zum Ringen zu Fuß ist facettenreich: Von den frühen Anweisungen der Hs. 3227a über Talhoffers Ringer-Tafeln bis zu Auerswalds gedrucktem Lehrbuch spannt sich ein Bogen, der die kontinuierliche Entwicklung dieser Disziplin über fast zweihundert Jahre dokumentiert.

Quellen

  • Hs. 3227a (Nürnberger Kodex), fol. 89r ff.
  • Talhoffer, Hans: Fechtbuch von 1459, Ms. Thott.290.2º, Det Kongelige Bibliotek, Kopenhagen.
  • Auerswald, Fabian von: Ringer kunst: fünf und achtzig Stücke. Wittenberg 1539.

Sekundärliteratur

  • Welle, Rainer: …und wisse das alle höbischeit kompt von deme ringen. Pfaffenweiler 1993.
  • Wiktenauer — Ringen.
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