Das Lange Messer zu Ross

Das Lange Messer als Reiterwaffe — Quellen, Techniken und Abgrenzung zum Schwertgebrauch

wafferossfechtenmesser

Das Lange Messer ist in der Forschung und Praxis fast ausschliesslich als Waffe des Fußfechtens bekannt. Die einschlägigen Quellen — insbesondere Johannes Lecküchners monumentale Messer-Glosse sowie das anonyme Codex Wallerstein Material — behandeln das Messer zu Fuß, gegen das Lange Schwert und im Kontext des Deutsche Fechtschules. Dass das Lange Messer auch eine Reiterwaffe war, geht aus einigen verstreuten Quellenhinweisen hervor, bleibt aber ein unterbeleuchteter Aspekt der Rossfechten — Überblick-Überlieferung.

Die primären Quellen für den Messergebrauch zu Ross sind nicht die zentralen Fechtbücher der Liechtenauer-Tradition. Weder Hans Talhoffer noch Paulus Kal noch Paulus Hector Mair widmen dem Messer zu Ross eigene Tafeln. Die Hinweise stammen stattdessen aus der sogenannten Gladiatoria-Gruppe, einer um 1430–1450 entstandenen, eigenständigen Fechtbuch-Tradition, die das Klingenfechten im Harnisch — und in begrenztem Umfang auch zu Ross — behandelt. In diesen Handschriften erscheint das Messer als unaufwendige Sekundärwaffe des Berittenen nach Verlust der Lanze und des Schwertes. Die Techniken sind rudimentär überliefert und unterscheiden sich in mehreren Punkten von der reichen Messer-Didaxe des Fußfechtens.

Zum einen reduziert sich die Griffvielfalt des Messers im Sattel erheblich. Während Lecküchner Dutzende Griffvarianten, Wechsel und Huten unterscheidet, zeigen die Gladiatoria-Illustrationen fast ausschliesslich den einfachen, einhändigen Hammergriff. Die Gründe liegen in den praktischen Gegebenheiten: Der Reiter muss mit der anderen Hand die Zügel führen und den Sattel fixieren, was die komplexen beidhändigen Techniken des Fußfechtens unmöglich macht. Zum anderen ist der Messerkampf zu Ross fast ausschliesslich auf den Stich reduziert. Die Hiebwirkung des Messers reicht vom Sattel aus nicht aus, um einen geharnischten Gegner zu durchdringen oder nennenswert zu beeinträchtigen. Der einhändige Stich — von oben in die Blösse unter dem Arm, gegen das Visier oder seitlich in den Hals — ist die einzige effektive Technik.

Im Vergleich zum Schwertgebrauch zu Ross ist das Messer die deutlich ineffizientere, aber allgegenwärtigere Waffe. Das Lange Schwert ist eine teure, spezialisierte Waffe, deren Anschaffung und Pflege kostspielig ist. Das Lange Messer hingegen war eine bürgerliche und zugleich militärische Universalwaffe, die der Reiter ohnehin führte. Die Quellenlage legt nahe, dass das Messer zu Ross weniger als primäre Gefechtswaffe konzipiert war, sondern als letzte Rückfallebene diente: Wenn Lanze und Schwert verloren oder unbrauchbar waren und der Kampf in den Nahkampf überging, war das Messer die Waffe, die jeder am Gürtel trug. Es ist kein Zufall, dass die Gladiatoria-Tafeln das Messer zu Ross häufig in Szenen zeigen, in denen die Pferde bereits zum Stehen gekommen sind und die Reiter ringend aus dem Sattel hängen.

Quellen

  • Gladiatoria-Gruppe, um 1430–1450.

Sekundärliteratur

  • Hils, Hans-Peter: Meister Johann Liechtenauers Kunst des langen Schwertes. Frankfurt a. M. 1985.
  • Wiktenauer — Gladiatoria.
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