Der Rossharnisch

Die Pferderüstung — Typen, Entwicklung und Bedeutung für das Rossfechten

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Der Rossharnisch — die Rüstung des Pferdes — ist ein zentrales, in der Forschung jedoch häufig vernachlässigtes Element des Rossfechten — Überblicks. Seine Entwicklung verläuft weitgehend parallel zur Entwicklung des menschlichen Harnischs und erreicht im 15. und frühen 16. Jahrhundert einen technischen Höhepunkt, der erst mit der Ablösung der schweren Reiterei durch Infanterieformationen sein Ende findet.

Die drei Hauptkomponenten des Rossharnischs sind das Rosstirn, der Fürbug und die Kruppe. Das Rosstirn (auch Rosskopf oder Chafron) ist ein gewölbtes Plattenstück, das den empfindlichen Pferdekopf von den Ohren bis zur Nase schützt. Es ist konstruktiv die komplexeste Komponente des Rossharnischs, da es Sicht und Atmung des Pferdes minimal einschränken und gleichzeitig maximalen Schutz gegen Lanzenstösse bieten musste. Die Quellen, insbesondere die Illustrationen in Hans Talhoffers Fechtbüchern und Paulus Kals Cgm 1507, zeigen Rosstirne mit geschwungenen, die Augen schützenden Ausbuchtungen und einer markanten Stirnplatte, in die oft das heraldische Wappen des Besitzers eingraviert oder aufgemalt war.

Der Fürbug ist der Brustpanzer des Pferdes und schützt den vorderen Brustkorb, die Vorderläufe bis zu den Knien und — in seiner vollständigen Form — die Schultern des Tieres. Er besteht aus mehreren, durch Lederriemen verbundenen Platten, die dem Pferd Bewegungsfreiheit im Schulterbereich lassen, während sie Hiebe und Stiche gegen die Brust des Tieres abhalten. Im Rossfechten — Überblick ist der Fürbug von besonderer Bedeutung, da die Pferdebrust das primäre Ziel eines Fußsoldaten oder eines berittenen Gegners war: Ein Stich in die ungepanzerte Brust des Pferdes tötete das Tier, warf den Reiter ab und entschied den Kampf, ohne dass der Reiter selbst getroffen werden musste. Der Fürbug neutralisiert diese elementare Bedrohung.

Die Kruppe schützt die Hinterhand des Pferdes — Rücken, Hinterbeine und Schweifansatz. Diese Komponente wurde erst im Zuge der Entwicklung zum vollständigen Plattenharnisch ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts üblich. Frühere Rossharnische, etwa noch in der ersten Hälfte des Jahrhunderts, bestanden häufig nur aus Rosstirn und Fürbug, während die Hinterhand dem textilen oder ledernen Sattelzeug überlassen blieb.

Die Entwicklung des Rossharnischs spiegelt die taktischen Anforderungen des ritterlichen Gefechts. Bis etwa 1450 dominierte der Kettenpanzer für Pferde — eine flexible, aber gegen konzentrierte Stichwirkung anfällige Schutzform. Mit der zunehmenden Verbreitung durchschlagskräftiger Lanzenstiche und der Entwicklung plattenbewehrter Fußkrieger entstand der Bedarf nach einer entsprechend widerstandsfähigen Pferderüstung. Um 1500 war der vollständige Platten-Rossharnisch Standard für das ritterliche Streitross. Die Quellen zeigen, dass ein geharnischtes Pferd im Kampf als nahezu unverwundbar galt — mit entsprechenden Auswirkungen auf die Fechtweise: Der Gegner musste den Reiter selbst treffen, da der Angriff auf das Pferd wirkungslos wurde.

Quellen

  • Talhoffer, Hans: Fechtbuch von 1459, Ms. Thott.290.2º, Det Kongelige Bibliotek, Kopenhagen.
  • Kal, Paulus: Cgm 1507, Bayerische Staatsbibliothek, München.

Sekundärliteratur

  • Oakeshott, Ewart: European Weapons and Armour. Woodbridge 2012.
  • Wiktenauer — Rossfechten.
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