Der Harnisch — Typen und Entwicklung

Von der frühen Plattenrüstung zum Maximiliansharnisch — eine historische Entwicklungslinie

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Die Entwicklung des Plattenharnischs vom 14. bis zum 16. Jahrhundert ist nicht nur eine Geschichte der Schmiedekunst, sondern unmittelbar relevant für das Verständnis des Harnischfechten — Überblicks: Jede Veränderung in der Rüstungskonstruktion veränderte die Blössen, verschob die Hebelwirkungen und erforderte Anpassungen in der Fechtweise. Die Fechtbücher von Hans Talhoffer, Paulus Kal, Jörg Wilhalm und Paulus Hector Mair dokumentieren diese Entwicklungsstufen implizit durch die Darstellung der jeweils zeitgenössischen Rüstungstypen.

In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts dominierte der Kettenpanzer, ergänzt durch einzelne Plattenstücke an Schultern, Knien und Ellenbogen. Unter dem Kettenhemd trug der Kämpfer ein dickes, mehrlagiges Textilwams, das Hiebwirkung absorbierte. Das Harnischfechten dieser Epoche — soweit es in Quellen wie dem Ms. I.33 oder den frühesten Liechtenauer-Handschriften fassbar ist — musste noch nicht mit einer geschlossenen Plattenabdeckung rechnen. Die Blössen waren andere, die Stichziele breiter gestreut.

Der gotische Harnisch des 15. Jahrhunderts markiert den ersten Höhepunkt der Plattenrüstung. Er zeichnet sich durch schlanke, architektonisch-gratige Formen aus, die den Körper des Trägers fast vollständig in geschwungene Platten hüllen. Die charakteristischen Merkmale sind die hohe, enge Taille, die langen, spitz zulaufenden Schwebescheiben an den Achseln und die langen Schnabelschuhe. Der gotische Harnisch ist die Rüstung, die in den Harnischfechten-Tafeln Talhoffers und Kals dominiert. Seine Blössen — Achseln, Kniekehlen, Visierschlitz, Handgelenke — bilden das Angriffsraster, das die gesamte Halbschwert-Didaxe des 15. Jahrhunderts bestimmt. Der gotische Harnisch bot exzellenten Schutz gegen Hiebe und Schnitte, hielt aber konzentrierten Stichen einer im Halbschwert geführten Klinge nur bedingt stand.

Um 1500 vollzieht sich der Übergang zum Maximiliansharnisch, benannt nach Kaiser Maximilian I., unter dessen Patronage die Plattnerkunst einen zweiten Höhepunkt erreicht. Der Maximiliansharnisch gibt die gotische Schlankheit zugunsten breiterer, runderer Formen auf, die durch die charakteristische Riefelung der Plattenoberfläche (die sogenannte “Maximiliansriefelung”) versteift werden. Diese Riefelung ist nicht ästhetisches Ornament, sondern eine statische Optimierung: Die geriefte Platte ist bei gleichem Gewicht erheblich widerstandsfähiger gegen Stich und Schlag. Der Maximiliansharnisch schliesst einige der gotischen Blössen enger — insbesondere die Achselzone wird durch weiter vorstehende Schulterplatten besser geschützt, und die Beinpanzerung wird massiver. Dies hatte unmittelbare Auswirkungen auf die Fechtweise: Das im gotischen Harnisch noch praktikable Ansetzen des Stichs an der Achsel wird gegen einen Maximiliansharnisch schwieriger, während der breitere Brustpanzer den Mordstreich als primäre Fernkampf-Eröffnung des Harnischfechtens begünstigt.

Das späte 16. Jahrhundert bringt den Übergang zur Dreiviertelrüstung, die Beine nur noch bis zu den Knien schützt und die Reiterstiefel als Schutz für die Unterschenkel akzeptiert. Dieser Rüstungstyp ist bereits die Rüstung der Infanterie — des Pikeniers und des Hellebardenkämpfers — und spiegelt den Bedeutungsverlust der vollständigen Plattenrüstung auf dem Schlachtfeld. Die Harnischfechten-Tafeln von Paulus Hector Mair (um 1540) dokumentieren diesen Übergang: Viele Figuren tragen Dreiviertelrüstungen, und die Techniken sind bereits stärker auf das Fußfechten von Infanteristen als auf den ritterlichen Zweikampf zugeschnitten.

Quellen

  • Talhoffer, Hans: Fechtbuch von 1459, Ms. Thott.290.2º, Det Kongelige Bibliotek, Kopenhagen.
  • Kal, Paulus: Cgm 1507, Bayerische Staatsbibliothek, München.
  • Mair, Paulus Hector: Cod. icon. 393, Bayerische Staatsbibliothek, München.

Sekundärliteratur

  • Oakeshott, Ewart: European Weapons and Armour. Woodbridge 2012.
  • Wiktenauer — Harnischfechten.
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