Ergrundung Ritterlicher Kunst der Fechterey
Das erste gedruckte Fechtbuch (1516)

Überblick
- Autor: Andre Paurnfeindt
- Datierung: 1516
- Sprache: Frühneuhochdeutsch
- Bedeutung: Eines der ersten gedruckten Fechtbücher der deutschsprachigen Tradition
Inhalt
Mit der Ergrundung Ritterlicher Kunst der Fechterey vollzog Andre Paurnfeindt 1516 einen Medienwechsel, der die Verbreitung fechttechnischen Wissens revolutionierte. Waren Fechtbücher zuvor als handschriftliche Manuskripte einem exklusiven Kreis von Eigentümern vorbehalten, ermöglichte der Buchdruck eine ungleich breitere Rezeption.
Das Werk behandelt das Fechten mit dem Langen Schwert, dem Messer, dem Dolch und dem Stab. Die Darstellung folgt erkennbar der Liechtenauerschen Tradition — die Fünf Haue, die Ochs und die zentralen taktischen Prinzipien sind präsent, wenngleich Paurnfeindt keine direkte Glosse des Zettels liefert.
Der Text ist merklich kürzer und weniger detailliert als die handschriftlichen Glossen von Ringeck oder Pseudo-Danzig. Dies reflektiert den intendierten Zweck: Paurnfeindt schreibt kein esoterisches Lehrgedicht für Eingeweihte, sondern ein zugängliches Lehrbuch für ein breiteres, urban-bürgerliches Publikum.
Stellung in der Liechtenauer-Tradition
Die Ergrundung markiert den Beginn einer neuen Ära der Wissensverbreitung. Sie eröffnet eine Traditionslinie, die über Joachim Meyer (1570) bis zu den barocken Fechtbüchern des 17. Jahrhunderts reicht. Der Medienbruch ist ambivalent: Einerseits demokratisiert Paurnfeindt den Zugang zum fechttechnischen Wissen, andererseits löst er es aus dem engen Lehrer-Schüler-Kontext, in dem die Glossen mündlich kommentiert und demonstriert wurden.
Editionen und Forschung
- Max Lienau (Hrsg.): Andre Paurnfeindt. Die Ergrundung der Ritterlichen Kunst der Fechterey. Faksimile. VS-Books, Herne 2010.