Hammaborg

Historische Fechtgemeinschaft Hammaborg — Pionier der quellenbasierten Fechtrekonstruktion

personorganisationhammaborgfechtschule20 jh21 jh

“Fechten ist, was in den Quellen steht — nicht was wir wollen, dass es sei.”

Die Gründung

Die Historische Fechtgemeinschaft Hammaborg (kurz: Hammaborg) wurde 1999 von Roland Warzecha gegründet und ist eine der ältesten und einflussreichsten HEMA-Gruppen Deutschlands. Der Name Hammaborg rekurriert auf die frühmittelalterliche Bezeichnung Hamburgs und signalisiert den Anspruch, die Rekonstruktion historischen Fechtens in eine methodisch reflektierte, wissenschaftlich fundierte Praxis zu überführen.

Die Gründung der Hammaborg fällt in die Frühphase der deutschen HEMA-Bewegung, als praktische Fechtrekonstruktion noch eine weitgehend isolierte, von Einzelpersonen getragene Aktivität war. Die Hammaborg institutionalisierte die quellenbasierte Rekonstruktion und etablierte methodische Standards, die für die gesamte deutschsprachige HEMA-Szene prägend wurden.

Methodik

Die sogenannte “Hammaborg-Methode” ist ein streng quellenpositivistischer Ansatz: Jede rekonstruierte Technik, jede Übungssequenz muss durch den Wortlaut der Primärquelle legitimiert sein. Spekulationen, Plausibilitätsargumente oder Analogieschlüsse zu modernen Kampfsportarten werden als methodisch unzureichend abgelehnt, solange sie sich nicht am Text verifizieren lassen.

Praktisch bedeutet dies:

  • Transkription als erster Schritt: Vor jeder praktischen Arbeit steht die diplomatische Transkription der relevanten Textpassagen.
  • Textkritischer Vergleich: Varianten zwischen verschiedenen Handschriften werden dokumentiert und auf ihre technischen Implikationen befragt.
  • Experimentelle Rekonstruktion: Die aus dem Text abgeleiteten Bewegungen werden praktisch erprobt, mit der Maßgabe, dass jede Modifikation durch den Text gedeckt sein muss.

Beiträge

Die Hammaborg hat durch ihre Forschung zur Schild-Schwert-Kombination, zur Danziger Handschrift und zu den frühen Liechtenauer-Glossen internationale Bekanntheit erlangt. Die Gruppe publiziert regelmäßig zu methodischen Fragen der Fechtrekonstruktion und betreibt umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit, darunter Video-Tutorials und öffentliche Trainingsdokumentationen.

Die Hammaborg ist weniger ein Verein als eine Forschungsgemeinschaft. Die strikte Quellenbindung und die Ablehnung spekulativer Rekonstruktion haben der Gruppe zwar gelegentlich den Vorwurf der “Orthodoxie” eingetragen, aber auch ihren Ruf als methodisch strengste Fechtforschungsgruppe Deutschlands begründet.

Nach oben ↑