Dierk Hagedorn
Transkriptor und Gründer der Hammaborg

“Ohne präzise Transkription keine verlässliche Interpretation.”
Biographie
Dierk Hagedorn ist ein deutscher HEMA-Forscher, Transkriptor und Mitgründer der Historischen Fechtgemeinschaft Hammaborg. Sein besonderer wissenschaftlicher Beitrag liegt in der akribischen Transkription zentraler Handschriften der Liechtenauer-Tradition, insbesondere der Danzig- und Ringeck-Corpora.
Gemeinsam mit Roland Warzecha gehörte Hagedorn zu den frühen Pionieren der deutschen HEMA-Bewegung. Während Warzecha den praktisch-experimentellen Ansatz verkörperte, etablierte Hagedorn die textkritisch-philologische Fundierung als gleichwertigen Pfeiler der Hammaborg-Arbeit. Diese Synthese von praktischer Fechterfahrung und strenger Quellenarbeit wurde zum methodischen Markenzeichen der Gruppe.
Transkriptionen
Hagedorns Transkriptionen konzentrieren sich auf die zentralen Glossenhandschriften der Liechtenauer-Tradition. Seine Arbeit am Cod. 44.A.8 (dem sogenannten “Pseudo-Danzig”) und an der Ringeck-Handschrift hat die Textgrundlage geschaffen, auf der eine ganze Generation von HEMA-Praktikern ihr Verständnis der Liechtenauerschen Kunst aufbaut. Seine Transkriptionen zeichnen sich durch philologische Präzision und die sorgfältige Dokumentation von Schreibervarianten, Abbreviaturen und Korrekturen aus.
Anders als reine Akademiker bringt Hagedorn die Perspektive des praktizierenden Fechters in die Transkriptionsarbeit ein — ein hermeneutischer Zirkel, bei dem das körperliche Verständnis der beschriebenen Techniken die Lesung schwieriger Passagen informiert und umgekehrt die präzise Lesung die Praxis korrigiert.
Bedeutung für die moderne HEMA
Hagedorns Arbeit exemplifiziert einen methodischen Standard, der die moderne HEMA-Forschung von früheren, amateurhaften Ansätzen unterscheidet: die Verbindung von praktischer Kampfkunsterfahrung mit strenger quellenkritischer Methodik. Seine Transkriptionen sind heute im Wiktenauer-Archiv öffentlich zugänglich und bilden eine zentrale Referenz für die internationale Liechtenauer-Forschung.