Harnisch — Dolch

Der Dolch als Sekundärwaffe im Harnischkampf

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Der Dolch erfüllt im Harnischfechten — Überblick eine Funktion, die in keiner anderen Disziplin der Deutschen Fechtschule so klar definiert ist: Er ist die Waffe des Endkampfes. Ist der Gegner geworfen, am Boden oder in einer Hebellage fixiert, kommt der Dolch zum Einsatz — nicht als Eröffnungswaffe, sondern als Instrument des finalen Stichs in eine der Blössen des Harnischs.

Die Quellen zeigen den Harnisch-Dolch als schmalen, kräftigen Stichdolch mit spitzer, meist drei- oder vierkantiger Klinge, die darauf ausgelegt ist, durch Kettengeflecht, Lederwams und die engen Öffnungen der Plattenrüstung zu dringen. Anders als der breitere Blossfechter-Dolch ist der Harnisch-Dolch primär Stichinstrument; Schnitte haben gegen eine Rüstung keine Wirkung.

Hans Talhoffer widmet dem Dolcheinsatz im Harnisch einige seiner eindrucksvollsten Illustrationen. Im Ms. Thott.290.2º (1459) zeigt er den klassischen Ablauf: Ein Kämpfer hat den Gegner zu Boden geworfen, kniet auf ihm und setzt die Dolchspitze an das Visier an. Der am Boden Liegende versucht in einigen Szenen verzweifelt, den Dolch des Angreifers mit der behandschuhten Hand abzuwehren oder seinerseits zum eigenen Dolch zu greifen. Talhoffer zeigt diese Szenen mit einer Drastik, die den tödlichen Ernst der Situation unmissverständlich macht. Andere Tafeln zeigen den Dolch bereits während des Ringens im Harnisch: Während die Kämpfer noch um die Hebellage ringen, sucht die freie Hand des einen bereits den Weg zum Dolch, um noch im Stehen in die Achselhöhle oder zwischen die Hals- und Brustplatten zu stechen.

Paulus Hector Mair systematisiert den Harnisch-Dolch in Cod. icon. 393 im Rahmen seines umfassenden Harnisch-Kapitels. Er zeigt den Dolcheinsatz nicht nur nach erfolgreichem Wurf, sondern auch als Kontrtechnik: Der am Boden Liegende sticht dem sich über ihn beugenden Gegner in die ungeschützte Armbeuge oder an die ungepanzerte Handgelenk-Innenseite. Mairs Darstellungen machen deutlich, dass der Dolch keine reine Siegerwaffe ist, sondern eine beidseitig einsetzbare Waffe, die dem Unterlegenen eine letzte Chance bieten kann.

Im modernen HEMA-Training wird der Harnisch-Dolch fast ausschliesslich mit stumpfen Trainingsdolchen und unter strenger Kontrolle geübt. Die Techniken werden als Partnerübung mit Schwerpunkt auf Präzision und Timing trainiert — nicht auf Kraft oder Geschwindigkeit, da die Gefahr von Stichverletzungen auch mit stumpfer Klinge erheblich bleibt.

Quellen

  • Talhoffer, Hans: Fechtbuch von 1459, Ms. Thott.290.2º, Det Kongelige Bibliotek, Kopenhagen.
  • Talhoffer, Hans: Fechtbuch von 1467, Cod. icon. 394a, Bayerische Staatsbibliothek, München.
  • Mair, Paulus Hector: Cod. icon. 393, Bayerische Staatsbibliothek, München.

Sekundärliteratur

  • Tobler, Christian Henry: In Saint George’s Name. Wheaton 2010.
  • Wiktenauer — Harnischfechten.
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