Harnisch — Techniken mit dem Schwert

Spezifische Schwerttechniken für den Kampf in Rüstung

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Das Lange Schwert ist im Harnischfechten — Überblick nicht mehr die Hiebwaffe, die es im Deutsche Fechtschule darstellt. Schnitt und flacher Hau haben gegen eine Plattenrüstung keinerlei Wirkung. Stattdessen wird das Schwert in drei Modi eingesetzt: als Stichwaffe im Halbschwert, als Schlagwaffe im Mordstreich und als Hebelwerkzeug im Ringen. Diese drei Modi formen zusammen das technische Repertoire des Harnischfechters mit dem Schwert.

Der Stich im Halbschwert ist die präziseste Angriffsform. Mit der linken Hand an der Klingenmitte und der rechten am Griff wird das Schwert wie ein kurzer Speer geführt. Die Stichrichtung zielt auf die spezifischen Blössen des Harnischs: ein rascher, flacher Stich von unten in die Achselhöhle, ein gerader Stoss gegen das Visier oder ein von oben geführter Stich in die Kniekehle. Die Kraft kommt nicht aus dem Arm, sondern aus der Vorwärtsbewegung des gesamten Körpers — der Fechter fällt gewissermassen in den Stich hinein und nutzt sein Körpergewicht zur Penetration.

Der Hebel mit der Klinge verwandelt das Schwert in eine Brechstange. Ist der gegnerische Arm durch eine eigene Aktion oder einen misslungenen Angriff ausgestreckt, setzt der Fechter seine Klinge in der Ellenbeuge oder zwischen Ober- und Unterarmpanzerung an und hebelt den Arm nach unten oder aussen. Die Klinge fungiert als Hebelverlängerung des eigenen Körpers, und die physikalische Übersetzung ist gewaltig: Ein geringer Druck am Griff erzeugt eine hohe Kraft an der Spitze, die das Gelenk überdehnt und den Gegner aus dem Gleichgewicht bringt. Hans Talhoffer zeigt diesen Klingenhebel in mehreren Varianten, besonders wirkungsvoll in Kombination mit einem gleichzeitigen Beinstellen zum Wurf.

Der Mordstreich schliesslich kehrt die Waffe um und nutzt Knauf und Gehilz als Schlagfläche. Er ist die robusteste, aber auch riskanteste Technik: Ein beidhändig geführter Knaufschlag gegen Helm oder Schulterpanzer erzeugt solche Wucht, dass der Gegner betäubt oder die Rüstung deformiert wird. Der Mordstreich wird eingesetzt, wenn ein präziser Stich nicht möglich ist oder wenn der Gegner eine zu enge Deckung hält. Paulus Kal zeigt den Mordstreich in Cgm 1507 als Gegenmassnahme zum Halbschwertstich: Der Angegriffene wechselt blitzartig in den Mordstreich-Griff und schlägt dem Angreifer den Knauf auf den Helm.

Diese drei Modi sind keine isolierten Techniken, sondern fliessen ineinander über. Ein missglückter Halbschwertstich kann sofort in einen Klingenhebel übergehen, der zum Wurf führt, der wiederum mit einem Mordstreich oder Dolchstoss abgeschlossen wird. Die Deutsche Fechtschule denkt das Harnischfechten als Kontinuum der Eskalation.

Quellen

  • Talhoffer, Hans: Fechtbuch von 1459, Ms. Thott.290.2º, Det Kongelige Bibliotek, Kopenhagen.
  • Kal, Paulus: Cgm 1507, Bayerische Staatsbibliothek, München.
  • Mair, Paulus Hector: Cod. icon. 393, Bayerische Staatsbibliothek, München.

Sekundärliteratur

  • Tobler, Christian Henry: In Saint George’s Name. Wheaton 2010.
  • Wiktenauer — Harnischfechten.
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