Ringen — Beinfeger und Beinstellen

Das Beinstellen als zentrale Technikgruppe des historischen Kampfringens

technikringenbeinarbeit

Das Beinstellen — in den Quellen oft als “Füßen” oder “Bein stellen” bezeichnet — ist eine der grundlegenden Technikgruppen des historischen Ringen — Überblicks. Seine mechanische Logik ist ebenso einfach wie effektiv: Der Ringer fixiert mit seinem Fuß das gegnerische Bein und zwingt den Gegner durch gleichzeitigen Oberkörperdruck in die blockierte Richtung. Der Gegner kann den zum Ausgleich des Drucks notwendigen Schritt nicht tun, verliert die Balance und stürzt.

Hans Talhoffer zeigt das Beinstellen in seinen Ringer-Tafeln als Kombinationstechnik. Der Ringer setzt seinen Fuß gegen das Bein des Gegners — in der Regel aussen gegen den Knöchel oder innen gegen die Wade — und zieht oder drückt den Oberkörper des Gegners mit einem Armgriff in die blockierte Richtung. Talhoffers Illustrationen machen die Mechanik klar: Sobald der Fuß gesetzt ist, wird der Gegner wie über eine Hürde gekippt. In mehreren Varianten wird das Beinstellen mit einem Armhebel kombiniert, sodass der Gegner gleichzeitig an Arm und Bein attackiert und in zwei Ebenen aus dem Gleichgewicht gezwungen wird.

Fabian von Auerswald behandelt das Beinstellen in seiner Ringer kunst (1539) als eigenständige Technikgruppe innerhalb der 85 Stücke. Er unterscheidet zwischen dem äusseren Beinstellen, bei dem der Ringer seinen Fuß von aussen gegen den Fuß des Gegners setzt, und dem inneren Beinstellen, bei dem der Fuß von innen gegen das gegnerische Bein geführt wird. Die äussere Variante ist die häufigere und technisch einfachere; die innere Variante erfordert einen tieferen Eintritt in die gegnerische Position und ist mit einem höheren Risiko verbunden, selbst aus dem Gleichgewicht gebracht zu werden.

Paulus Kal fügt in Cgm 1507 eine weitere Dimension hinzu: den Beinfeger, bei dem das gegnerische Bein nicht blockiert, sondern aktiv weggeschlagen wird. Der Feger ist dynamischer als das statische Beinstellen und wird oft als schnelle Technik aus der Bewegung eingesetzt. Kal zeigt den Beinfeger als Eröffnungstechnik, die den Gegner aus dem Stand reisst und in einen Wurf überleitet.

Taktisch dient das Beinstellen nicht nur als eigenständige Technik, sondern auch als Kombinationspartner für Armhebel und Würfe. Ein typischer Ablauf: Der Ringer greift den gegnerischen Arm zum Aussenhebel; der Gegner reagiert und zwingt den Ringer zum Lösen; in der Lösebewegung setzt der Ringer den Fuß hinter das gegnerische Bein und wirft ihn über das gesperrte Bein. Diese Verkettung von Arm- und Beintechniken ist ein Charakteristikum des historischen Kampfringens.

In der modernen HEMA-Praxis gilt das Beinstellen als eine der sichersten Techniken für das Partnertraining. Anders als Armhebel, die bei zu schneller Ausführung das Gelenk gefährden, lässt sich das Beinstellen auch mit moderater Intensität effektiv trainieren. Die Technik schult insbesondere das Zusammenspiel von Ober- und Unterkörper — eine Fähigkeit, die für alle Wurftechniken grundlegend ist.

Quellen

  • Talhoffer, Hans: Fechtbuch von 1459, Ms. Thott.290.2º, Det Kongelige Bibliotek, Kopenhagen.
  • Kal, Paulus: Cgm 1507, Bayerische Staatsbibliothek, München.
  • Auerswald, Fabian von: Ringer kunst: fünf und achtzig Stücke. Wittenberg 1539.

Sekundärliteratur

  • Welle, Rainer: …und wisse das alle höbischeit kompt von deme ringen. Pfaffenweiler 1993.
  • Wiktenauer — Ringen.
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