Winden am Messer

Das Winden mit dem Messer — Unterschiede zum Langen Schwert

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Winden mit dem Messer

Das Winden ist ein zentrales Prinzip der Deutschen Fechtschule: Nach dem Anbinden bleibt der Fechter in Klingenkontakt und windet — dreht — seine Klinge um die gegnerische, um eine günstigere Winkelposition zu erreichen und eine Blöße zu öffnen. Johannes Lecküchner übernimmt dieses Konzept vollständig für das Lange Messer, adaptiert es jedoch an die spezifischen mechanischen Gegebenheiten der einschneidigen Waffe.

Die Grunddynamik bleibt erhalten: Der Fechter fühlt am Schwert, ob der Gegner hart oder weich ist, und reagiert entsprechend. Ist der Gegner hart (drückt stark in die Bindung), windet der Fechter zur anderen Seite und sticht. Ist der Gegner weich (gibt nach), folgt der Fechter mit der Spitze nach und trifft.

Unterschiede zum Winden mit dem Langen Schwert

Die Unterschiede resultieren aus drei Faktoren:

1. Einschneidige Klinge: Anders als das Langschwert mit seiner Langen und Kurzen Schneide hat das Messer nur eine scharfe Kante. Das schränkt die Möglichkeiten des Windens ein — die Klinge muss stets so gedreht werden, dass die Schneide zum Gegner zeigt. Ein Winden, das die stumpfe Rückenseite präsentiert, ist taktisch wertlos.

2. Nagel-Einsatz: Der Nagel (Parierstift) kompensiert die fehlende Parierstange und wird beim Winden zum funktionalen Substitut. Er dient als Drehpunkt und Hebel: Der Daumen liegt auf dem Nagel und ermöglicht präzise Rotationen der Klinge im Band. Lecküchner beschreibt den Nagel nicht nur als passiven Handschutz,Krieg.

3. Einhand-Führung: Das Lange Messer wird einhändig geführt, das Langschwert beidhändig. Das reduziert die verfügbare Hebelkraft beim Winden und erfordert eine präzisere Körpermechanik. Der Fechter muss vermehrt mit dem Körper und nicht nur mit den Händen winden — die Hüfte und die Beinarbeit kompensieren die fehlende zweite Hand.

Praxis

Das Winden am Messer sollte zunächst langsam und mit Fokus auf den Nagel-Einsatz trainiert werden. Ein bewährter Drill: Beide Partner binden an. A bleibt hart, B windet mit dem Nagel als Drehpunkt zur anderen Seite und sticht. Dann wechseln. Fortgeschrittene integrieren das Fühlen: A variiert zwischen hart und weich, B muss fühlen und adäquat reagieren.

Primärtext

Wiltü yn betryegen, So dw pist unter lygen, Linck wynck dürchge yn wynden, Hew stich schnyd ler finden, Zw kopff zw leyb, Waß dw pegerst daß treyb, Yn allem gefertt, Pruff weych oder hertt.

Hye endet der meyster und der merer der künst daß leczt stuck mit seyner eygenschafft und sprichtt will dw yn betrygen etc Daß ist wenn Ir beyde an gepunden habtt ligtt er dir den auff der rechten seytten mit der krümmen versaczung und dw ligst unter seynem messer auch ynder selben versaczung yndeß wynd deyn messer auff seyn lincke seytten gegen seyner ploß und winck wol gegen der selbigen.

Item dw solt auch wyssen daß auß dysen wynden sollen gefünden werden hew stich und schnydt und thü ym alzo so dw pist gangen mit dem messer zw von seyner lincken seytten auff seyn rechte seytten so schneyd ubersich an seynen seytten yndeß so dw geschnytten hast mit dem messer stich ym auff seyn prust yndeß far auff mit dem messer und machen feler auch auff seyner rechten seytten und haw ym zw dem haubtt oder aüff dy seytten etc.

— Cod. Pal. Germ. 430, fol. 111v–114r (Lecküchners „Winden“, verbatim).

Quellen

  • Cod. Pal. Germ. 430.
  • Fritz, Falko: Der Lecküchner. VS-Books, 2019.
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