Ms. 3225
Das Nürnberger Fechtbuch

Ms. 3225 (Erlangen)
Überblick
- Signatur: Ms. 3225, Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg
- Datierung: frühes 15. Jahrhundert
- Sprache: Frühneuhochdeutsch (nürnbergische Prägung)
- Aufbewahrungsort: Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg
Inhalt
Die Erlanger Handschrift Ms. 3225 zählt zur frühen Überlieferung der Deutschen Fechtschule und steht zeitlich wie inhaltlich in enger Nachbarschaft zur Hs. 3227a. Sie enthält Material zum Blossfechten mit dem Langen Schwert und zum Ringen — Überblick, das in Struktur und Terminologie deutliche Bezüge zur Deutsche Fechtschule aufweist, ohne jedoch den vollständigen Liechtenauers Merkverse zu überliefern.
Der Schwerpunkt der Handschrift liegt auf dem Ringkampf, der in einer für die frühe Überlieferung charakteristischen Vermischung von Text und knapper Bilddarstellung präsentiert wird. Die ringtechnischen Abschnitte decken ein breites Spektrum ab — von schlichten Armhebelvarianten bis zu komplexen Kombinationen aus Beinstellen, Würfen und Bodenkampf. Das Langschwertkapitel bietet eine reduzierte, aber kohärente Auswahl von Stücken, die sich in die kanonische Abfolge von Legern, Meisterhauen und Windungen einfügen.
Der Sprachduktus deutet auf eine Entstehung im Nürnberger Umfeld, was die Handschrift zum Kernbestand des fränkischen Fechtschrifttums zählen lässt und sie in den weiteren Kontext der frühesten Verschriftlichungsschübe innerhalb der Liechtenauer-Tradition einordnet.
Stellung in der Tradition
Ms. 3225 ist ein wertvoller Textzeuge der frühen, noch nicht standardisierten Phase der Deutsche Fechtschule. Sie belegt, dass in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts mehrere voneinander unabhängige Verschriftlichungsinitiativen existierten, die teils überlappendes, teils eigenständiges Material tradierten.
Quellen
- Fischer, Thomas: Katalog der Handschriften der Universitätsbibliothek Erlangen. Neubearbeitung, Bd. 1, Erlangen 1928.
- Wiktenauer: Ms. 3225