Ms. KK5012
Das Fechtbuch des Peter Falkner

Überblick
- Signatur: Ms. KK5012, Kunsthistorisches Museum Wien, Hofjagd- und Rüstkammer
- Datierung: um 1495
- Sprache: Frühneuhochdeutsch
- Aufbewahrungsort: Kunsthistorisches Museum, Wien
- Autor: Peter Falkner
Inhalt
Die Handschrift Ms. KK5012 repräsentiert das Fechtbuch des Peter Falkner, eines weitgehend unbekannten Fechtmeisters der ausgehenden Deutsche Fechtschule um 1495. Falkners Werk ist eine der letzten großen illustrierten Fechthandschriften des 15. Jahrhunderts und steht in der Nachfolge der repräsentativen Widmungsexemplare eines Paulus Kal oder Hans Talhoffer.
Das Manuskript ist aufwendig ausgestattet: Die ganzseitigen, kolorierten Federzeichnungen zählen zu den anspruchsvollsten Illustrationen der fechterischen Überlieferung. Falkner oder sein Atelier zeigen ein ausgeprägtes Interesse an modischer Kleidung und realistischer Waffendarstellung, was die Handschrift auch zu einer wertvollen kultur- und waffenhistorischen Quelle macht. Die detailgenaue Wiedergabe von Rüstungen, Schwertern, Dolchen und Messern erlaubt Rückschlüsse auf die tatsächlich verwendete Ausrüstung um 1500.
Inhaltlich behandelt die Handschrift das Blossfechten, Ringen — Überblick, DolchMesserfechten, wobei der Schwerpunkt auf dem Langen Schwert liegt. Wie bei Talhoffer werden Techniken in Bildsequenzen dargestellt, begleitet von knappen technischen Beischriften. Der Text ist spärlicher als bei Kal, ausführlicher als bei Talhoffer.
Eine Besonderheit der Falkner-Handschrift ist die ausgeprägte Systematik im Aufbau: Die Techniken des Langen Schwerts werden nach taktischen Prinzipien gruppiert, nicht nach der traditionellen Gliederung des Liechtenauers Merkverses. Falkner scheint eine eigenständige Didaktik zu verfolgen, die weniger an den Merkversen und mehr an Kampfprinzipien orientiert ist. Diese didaktische Eigenständigkeit deutet darauf hin, dass Falkner nicht bloß Kompilator, sondern aktiver Fechtlehrer mit eigenem methodischem Zugang war.
Stellung in der Liechtenauer-Tradition
Peter Falkners Fechtbuch markiert das Ende der repräsentativen Bildhandschriften-Tradition im ausgehenden 15. Jahrhundert. Es zeigt die Deutsche Fechtschule in einem späten, bereits manieristisch geprägten Stadium, kurz bevor mit Joachim Meyer und der Druckfassung von 1570 ein neues Kapitel der Deutschen Fechtschule aufgeschlagen wurde.
Editionen und Forschung
- Eine kritische Edition liegt bislang nicht vor. Die Handschrift ist wissenschaftlich nur unzureichend erschlossen und wartet auf eine umfassende kodikologische und fechtgeschichtliche Untersuchung.