Henddrucken

Die gegnerischen Arme kontrollieren

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Das Henddrucken (wörtlich: Händedrücken) ist eine Nahdistanz-Technik des Liechtenauerschen Blossfechtens. Während die meisten Techniken auf Klingenarbeit und Hiebe setzen, zielt das Henddrucken auf die unmittelbare Kontrolle des gegnerischen Körpers – konkret der Arme des Gegners.

Definition

Henddrucken bezeichnet die Aktion, mit der eigenen Hand (meist der linken Hand am Knauf, oder der bloßen Faust) den Arm oder die Armbeuge des Gegners zu blockieren oder wegzudrücken. Ziel ist es, die gegnerische Waffe zu neutralisieren und eine eigene Trefferöffnung zu schaffen. Das Henddrucken ist ein Übergang vom Schwertkampf zum Ringkampf und setzt voraus, dass der Fechter in die allernächste Distanz (“Krieg”) gegangen ist.

Mechanik

Der Fechter tritt in die Nahdistanz und bringt seine linke Hand an den gegnerischen rechten Arm (meist oberhalb des Ellenbogens oder am Handgelenk). Durch Druck oder Schieben wird der Arm des Gegners aus der Deckungslinie entfernt. Gleichzeitig wird die eigene Klinge in eine Blösse des Gegners geführt oder ein Stich zur Brust aufgesetzt. Der Name “Henddrucken” ist wörtlich zu nehmen: Es geht um ein kontrolliertes Drücken und Schieben, nicht um einen Schlag oder eine Greif-Technik im engeren Sinne.

Glossen

Ringeck

Ringeck (Ms. Dresden C 487, fol. 32r-33r) beschreibt das Henddrucken als Antwort auf einen Gegner, der zu hart bindet und seine Arme weit nach vorn streckt. Er lehrt: “drit mit dem lincken fues czu jm / vnd greyff mit deyner lincken hant auff seynen rechten arm / vnd truck jn von dir”. Der gleichzeitige Stich mit dem Schwert soll in die nun offene Blöße erfolgen.

Pseudo-Danzig (Cod. 44.A.8)

Der Danzig-Glossator (fol. 24v-25v) stellt das Henddrucken in den Zusammenhang von “Stücken gegen die harte Versatzung”. Es erscheint als eine von mehreren Nahdistanz-Lösungen, wenn der Gegner mit Kraft und Starrheit in der Bindung verharrt. Er betont die Wirksamkeit gegen Gegner, die “mit starrheit vnd vngeschickte” fechten – also unbeweglich und nur mit Kraft arbeiten.

Lew

Jud Lew erwähnt das Henddrucken knapp als eines der Ringen-Stücke, die im Blossfechten ihren Platz haben. Bei Lew ist das Henddrucken die Vorstufe zu Wurftechniken und Gelenkhebeln, und er verbindet es explizit mit dem Ringen — Überblick.

Meyer

Meyer (1570) integriert das Henddrucken in sein System der “Durchwechsel und Schieben”. Bei ihm ist das Henddrucken eine taktische Variante, um den Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen und die Deckung zu brechen. Meyer beschreibt das Henddrucken im Zusammenhang mit dem einhändigen Fechten – der Fechter löst eine Hand vom Schwert, um den Gegner zu kontrollieren.

Bedeutung im System

Das Henddrucken ist eine Brückentechnik zwischen dem Deutsche Fechtschule und dem Ringen — Überblick und demonstriert den integrierten Charakter des Liechtenauerschen Curriculums. Der Fechter soll nicht nur mit der Klinge arbeiten können, sondern auch den gegnerischen Körper kontrollieren – eine Fähigkeit, die in der Nahdistanz (“Krieg”) unverzichtbar ist. Das Henddrucken zeigt zudem, dass im Liechtenauerschen System keine strikte Trennung zwischen Schwertkampf und Ringkampf existierte.

In der Praxis

Das Henddrucken wird im modernen HEMA oft in speziellen Nahdistanz-Seminaren trainiert. Übungen: Beide Fechter gehen in die enge Bindung; der Übende drückt den gegnerischen Arm weg und führt einen kurzen Stich zur Maske (Kontrolle und Langsamkeit sind essentiell!). Wichtig: Das Henddrucken erfordert präzisen Körpereinsatz und darf nicht in rohes Schieben oder Schlagen ausarten. Es ist eine technische, kontrollierte Aktion, bei der die Sicherheit des Partners oberste Priorität hat.

Quellen

  • Cod. 44.A.8 (Danzig), fol. 24v-25v
  • Ringeck, Ms. Dresden C 487, fol. 32r-33r
  • Jud Lew, Cod. I.6.4.3, Augsburg
  • Meyer, Joachim: Gründtliche Beschreibung, 1570

Sekundärliteratur

  • Hagedorn, Dierk (Hrsg.): Peter von Danzig. Herne 2008.
  • Tobler, Christian Henry: In Saint George’s Name. Wheaton 2010.
  • Welle, Rainer: …und wisse das alle höbischeit kompt von deme ringen. Frankfurt a. M. 1993.
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