Cod. icon. 394a

Talhoffer 1467

quellehandschriftLiechtenauer15 jhTalhoffer

Überblick

  • Signatur: Cod. icon. 394a, Bayerische Staatsbibliothek München
  • Datierung: 1467
  • Sprache: Frühneuhochdeutsch
  • Aufbewahrungsort: Bayerische Staatsbibliothek, München
  • Autor: Hans Talhoffer

Inhalt

Der Cod. icon. 394a ist das späteste und letzte erhaltene Fechtbuch des Hans Talhoffer. Im Vergleich zur älteren Handschrift von 1459 zeigt der Münchner Codex eine Weiterentwicklung sowohl in der künstlerischen Ausführung als auch im inhaltlichen Zuschnitt. Die kolorierten Federzeichnungen sind detailreicher und plastischer, der begleitende Text ist etwas umfangreicher als in der Kopenhagener Handschrift, bleibt jedoch insgesamt sparsam.

Thematisch deckt der Cod. icon. 394a ein ähnlich breites Spektrum ab wie die Vorgängerhandschriften: Blossfechten, Fechten im Harnisch, Rossfechten — Überblick, Ringen — Überblick und den Gerichtskampf. Besonders berühmt – und in der populärwissenschaftlichen Rezeption ikonisch geworden – sind die Darstellungen des gerichtlichen Zweikampfs zwischen Mann und Frau (»Cod. icon. 394a«). Talhoffer zeigt hier eine spezifische Ausgangsstellung, bei der der Mann in einer Grube steht und mit einem Kolben bewaffnet ist, während die Frau mit einem steingefüllten Schleuderbeutel agiert. Diese Darstellung, die in keiner anderen Fechthandschrift zu finden ist, hat zu lebhaften Diskussionen über spätmittelalterliche Gerichtspraktiken und Geschlechterverhältnisse geführt.

Der Gerichtskampf-Abschnitt ist in der Münchner Handschrift besonders ausführlich und enthält mehrere Szenen mit unterschiedlichen Waffenkombinationen. Neben dem Kampf Mann gegen Frau werden auch reguläre Gerichtskämpfe zwischen Männern mit Schwertern, Kolben und Schilden dargestellt. Die detaillierte visuelle Dokumentation dieser rechtlich geregelten Kampfformen macht den Cod. icon. 394a zu einer rechtshistorisch bedeutsamen Quelle.

Im Vergleich zum Thott 290 zeigt der Cod. icon. 394a eine stärkere Gewichtung auf dem Harnischfechten und dem Rossfechten, was auf die Auftraggeberschaft aus dem ritterlichen Adel hindeutet. Der Codex war offenkundig für einen adligen Empfänger bestimmt, wie die repräsentative Ausgestaltung und die Widmung an den württembergischen Hof nahelegen.

Stellung in der Liechtenauer-Tradition

Als letztes Fechtbuch Talhoffers zeigt der Cod. icon. 394a die voll entfaltete Bildtradition der Deutsche Fechtschule und ergänzt die textbasierten Glossen der gleichen Epoche um eine unverzichtbare visuelle Dimension. Zusammen mit dem Thott 290 bildet er das Kernstück des Talhoffer’schen Œuvres.

Editionen und Forschung

  • Gustav Hergsell: Talhoffers Fechtbuch aus dem Jahre 1467. Prag 1887 (frühe Faksimile-Edition).
  • Dierk Hagedorn: Hans Talhoffer: Das Fechtbuch von 1467. VS-Books, Herne 2019.
Nach oben ↑