Rossfechten — Quellen

Die handschriftliche Überlieferung des Fechtens zu Pferd

konzeptrossfechtenquelle

Die Überlieferung des Rossfechtens ist fragmentarischer als die des Deutsche Fechtschules oder des Harnischfechten — Überblicks. Nur eine Handvoll Handschriften behandeln den Kampf zu Pferd in nennenswertem Umfang, und keine einzige Quelle widmet dem Rossfechten ein ähnlich vollständiges System wie dem Fechten zu Fuß. Dieser Umstand spiegelt die soziale Realität: Rossfechten war die Kampfkunst einer kleinen, elitären Schicht, die Zugang zu ausgebildeten Kriegspferden hatte — und es wurde vermutlich stärker mündlich, im direkten Satteltraining, als schriftlich tradiert.

Die früheste Rossfechten-Quelle ist die Hs. 3227a (Nürnberger Kodex, um 1400), die in der sogenannten Döbringer-Prosa ein eigenes Kapitel zum Rossfechten enthält. Die Darstellung ist, typisch für diese Handschrift, noch wenig systematisiert und stark mit allgemeinen Kampflektionen verwoben. Dennoch ist sie wertvoll, weil sie einen sehr frühen Stand der Verschriftlichung von Rossfechten-Wissen dokumentiert.

Die bedeutendsten Rossfechten-Glossen der Liechtenauer-Tradition stammen von Sigmund Ringeck (Ms. Dresden C 487) und dem Danzig-Glossator (Cod. 44.A.8). Beide behandeln das Rossfechten in separaten, knappen Abschnitten, die Techniken mit Speer und Schwert umreissen. Ringecks Fassung ist die umfangreichere von beiden und enthält detaillierte Anweisungen zum Anreiten mit eingelegter Lanze, zum Schwertkampf aus dem Sattel und zur Verteidigung gegen den Angreifer zu Ross. Der Danzig-Glossator ergänzt dieses Material um technische Präzisierungen, die auf praktische Erfahrung schliessen lassen. Jud Lew (Ms. germ. quart. 2020) bietet eine spätere, kürzere Fassung.

Hans Talhoffer illustriert das Rossfechten in seinen Fechtbüchern mit einer Reihe eindrucksvoller Tafeln, besonders im Ms. Thott.290.2º (1459). Seine Darstellungen zeigen sowohl symmetrische (zwei Reiter) als auch asymmetrische (Reiter gegen Fußsoldat) Kampfsituationen, den Speer- und Schwertkampf sowie das Ringen vom Pferd. Talhoffers Rossfechten-Illustrationen sind, wie seine Harnisch-Tafeln, von hohem ästhetischem und instruktivem Wert.

Paulus Kal (Cgm 1507) widmet dem Rossfechten einige ganzseitige Tafeln in seinem Tafelsystem, und Paulus Hector Mair schliesslich kompiliert im 16. Jahrhundert das verfügbare Rossfechten-Material in seinen Sammelhandschriften. Bemerkenswert ist, dass Joachim Meyer (1570) das Rossfechten überhaupt nicht behandelt — ein Hinweis darauf, dass diese Disziplin im späten 16. Jahrhundert bereits an praktischer Bedeutung verloren hatte.

Quellen

  • Hs. 3227a (Nürnberger Kodex), fol. 80r–85v.
  • Cod. 44.A.8 (Danzig), fol. 109r–117r.
  • Ringeck, Ms. Dresden C 487, fol. 93r–97v.
  • Talhoffer, Hans: Fechtbuch von 1459, Ms. Thott.290.2º, Det Kongelige Bibliotek, Kopenhagen.
  • Kal, Paulus: Cgm 1507, Bayerische Staatsbibliothek, München.
  • Mair, Paulus Hector: Cod. icon. 393, Bayerische Staatsbibliothek, München.

Sekundärliteratur

  • Hils, Hans-Peter: Meister Johann Liechtenauers Kunst des langen Schwertes. Frankfurt a. M. 1985.
  • Wiktenauer — Rossfechten.
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